Ist ein Abschluss wirklich ein Zeichen von Reife – oder nur ein Beleg, dass man das System verstanden hat?
Und was macht eigentlich Bildung aus, wenn wir frei denken wollen?
Ich frage mich manchmal, ob wir den Begriff „Bildung“ nicht völlig überladen haben. Oder vielleicht sogar falsch verstanden.
Denn was bedeutet es eigentlich, gebildet zu sein? Einen Abschluss zu haben? Ein Zertifikat? Sich im System zurechtzufinden? Oder quer zu denken – mit offenem Blick?
Ich selbst habe nicht „voll“ studiert. Nur ein paar Semester, ein paar Module. Aber das, was mich heute wirklich bewegt, habe ich dort nicht gelernt. Und manchmal denke ich: Vielleicht hätte ich es dort auch gar nicht lernen können.
Wir sprechen so oft von Schule als Vorbereitung auf das Leben. Aber wie viele Kinder, Jugendliche oder Erwachsene erleben dort wirklich, was eigenständiges Denken heisst? Was es bedeutet, eine unbequeme Frage zu stellen – und stehen zu bleiben, auch wenn die Antwort fehlt?
In der Schule lernst du, was du wissen musst. In Prüfungen zeigst du, dass du es verstanden hast.
Und dann? Geht das Denken weiter? Oder hört es genau dort auf, wo du die Note bekommst?
Ich frage mich das ernsthaft. Denn die Menschen, die mich am meisten beeindruckt haben, waren selten die mit den besten Abschlüssen.
Es waren oft jene, die verknüpfen konnten, die über den Tellerrand schauten, die nicht im System steckenblieben.
Wenn ein Bachelor einem Gesellenbrief entspricht – was völlig legitim ist – wo beginnt dann die Meisterschaft?
Und wer begleitet uns auf diesem Weg – wenn Schule und Studium längst vorbei sind?
Ich bin nicht gegen Bildung. Im Gegenteil. Aber vielleicht müssen wir anfangen, sie neu zu denken.
Nicht als Pflichtlauf durch Module, sondern als Einladung, Dinge zu hinterfragen. Nicht als Ziel, sondern als Startpunkt. Vielleicht beginnt echte Bildung erst dann, wenn wir frei genug sind, um das Gelernte in Frage zu stellen.